Posted in Comic, Homepage, Isa Ristow

“Kind, werd doch einfach Bankangestellte.”

“Kind, werd doch einfach Bankangestellte oder geh einfach zur Stadt.” Das ist immer der Rat meiner Mutter, wenn es um meine berufliche Zukunft geht.

Seitdem ich vor einem halben Jahr mein Animationsstudium aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen abbrechen musste, sitze ich jetzt schon zu Hause rum. Am Anfang war ich noch naiv und dachte, ich bekomme vielleicht auch so einen Job oder wenigstens einen Praktikumspaltz… Doch sehr schnell merkte ich, ZONK, das wird wohl nichts.

Ich habe zwar Design studiert, aber war mir damals schon ziemlich sicher, dass ich nicht für eine Agentur geeignet bin. Bestätigt hat sich das dann auch, als ich die Stellenanzeigen für Designer durchlas…

Und was ist mit meinem Traumberuf, in einem Animationsstudio? Hm… ohne Erfahrung in Sachen Maya und selbstangefertigten Animationen wird das wohl auch nichts (das Bisschen was ich in dem Animationsstudiengang gelernt habe, reicht da noch lange nicht…). Also, werde ich jetzt wohl auch zur berüchtigten Generation Praktikum gehören. Nicht mal das. Ich habe mich zwar in einem Animationsstudio beworben, welches einen guten Ruf hat und mir auch gute Chancen eingeräumt hat, doch nach Monaten ohne Rückmeldung, hat man mir am Telefon dann mitgeteilt, dass es einfach zu viele Bewerber gebe und nur noch ein Praktikumsplatz zu vergeben sei. “Machen Sie sich keine Hoffnungen,” sagte der Mann am Ende des Gesprächs noch zu mir und das er sich mit dem entgültigen Ergebnis, in einigen Tagen bei mir meldet. Seitdem sind drei Wochen vergangen, da kann ich mir das Ergebnis für mich ja schon ausmalen… Überhaupt selbst wenn ich den Platz bekommen hätte, wäre er garantiert ohne Bezahlung. Na ja, vielleicht hätte ich einen kleinen Platz unter einer Brücke gefunden oder kosten die heutzutage auch schon Miete?

Und Arbeitsaufträge? Wie kommt man da überhaupt dran? In der Zeit in der ich jetzt zu Hause bin, kann ich die Aufträge, für die ich bezahlt wurde, an einer Hand abzählen… Wie schaffen es manche nur, von so etwas zu leben… “Respekt habe ich ja vor den Leuten,” denke mich mir da. Aber ganz im Ernst, bei wie vielen Verlagen war ich schon in meinem Leben, die mir versicherten das mein Zeichenstil nicht für die Breite Masse tauglich ist. Wie sollte es da dann bei Arbeitsaufträgen anders sein?

Nun komme ich aber zur Weisheit meiner Mutter zurück. Ich meine, vielleicht sollte ich mich wirklich nach einem anderen Job umsehen, nur was für einer? Seitdem ich mich zurückerinnern kann, wollte ich immer irgendwas mit zeichnen machen. Okay, einer Rolle in einem Film wäre ich auch nicht abgeneigt, aber wie wahrscheinlich ist das? Soll denn all die Mühe der letzten Jahre umsonst gewesen sein? Verrate ich mich nicht selbst damit? Oder alles nur falscher Stolz?

Momentan stehe ich vor einem Scheideweg und nicht zu wissen, was man in den nächsten Jahren tun wird ist sehr belastend. Aber was erzähl ich da, das geht bestimmt vielen Künstlern so. Auch das mit der Jobsuche ist bestimmt bei keinem einfach, aber wann weiß man, dass man das richtige tut. Spätestens wenn man Vormittags auf den Trash Sendungen bei RTL 2 landet oder vielleicht sogar direkt in der Sendung, weiss man, dass was falsch gelaufen ist.

Jetzt habe ich noch die Möglichkeit noch einmal Animation zu studieren, aber was ist wenn ich selbst danach keinen Job finde, überhaupt, müsste ich doch langsam auch mal anfangen in meine Rente einzubezahlen. Sonst könnte mich das schlimme Schicksal ereilen, das mir meine Tante prophezeit hat und ich könnte wohl als Rentnerin nur einmal im Jahr in Urlaub fahren und nicht wie sie jede zwei Wochen. Ganz im Ernst, ich bin ja schon froh, wenn das Geld mir dann zum Überleben reicht.

Überhaupt, wenn alles was man in der letzten Zeit getan hat, ins Nichts läuft, fragt man sich schon mal, bin ich für diesen Beruf gemacht? Vielleicht kann ich diese Frage irgendwann für mich beantworten, dass einzige was ich jetzt mit Sicherheit weiß, ist: Bankangestellte werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Eure Isa

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6 thoughts on ““Kind, werd doch einfach Bankangestellte.”

  1. Isa! Wenn Animation dein Traum ist, dann plädiere ich ganz klar für Studium!!! Gib deinen Traum nicht auf!!!

  2.  

    Hallo Isa,

     

    oh, das klingt nicht gut.

     

    Ich würde dem, was Deine Mutter sagt, auf keinen Fall zustimmen – bei allem Repekt: Sorry !

    Man wird einfach nicht glücklich, wenn man in seinem Leben nicht etwas tun kann, was man gerne tut.

    Steve Jobs hat sinngemäß mal die Meinung vertreten, dass man nur dann zu außerordentlichen Leistungen fähig ist, wenn man liebt, was man tut.

    Ich bevorzuge die Variante, dass man das tun sollte, was man liebt.

    Aber in diese Position muss man erstmal kommen.

    Ganz eindeutig: Man braucht Glück um dahin zu kommen – es ist definitiv nicht Pech, wenn es nicht gleich oder garnicht klappt. Das ist jedenfalls meine Erfahrung.

    Man sollte sich also zu einer gewissen Hartnäckigkeit oder Zähigkeit entschliessen und man braucht moralische Unterstützung um das durchzuhalten.

    Und vielleicht kommt man nicht direkt ins Ziel, etwa so wie beim Golf.

     

    Habe ich das richtig verstanden, dass Du ein Animationsstudium nochmal machen könntest ?

    Wie bist Du an Deine Aufträge gekommen, auch wenn es nicht viele waren ?

    Und was waren das für Aufträge ?

     

    Ich bin ja völlig branchenfremd als IT-ler in der BASF – aber wer weiß, vielleicht kann ich Dir mit ein paar Ideen helfen (und entschuldige bitte, wenn es dumme Ideen werden).

    Oder Dir hilft ein Mentor, der an Dich und Deine Fähigkeiten glaubt.

    Künstler hatten es schon immer schwerer als Bankangestellte – aber sie leben deutlich intensiver.

    Und geben der Menschheit mehr als ein Bankkonto und einen Prämiensparvertrag.

     

    LG,

    Rainer

     

    Gesendet: Sonntag, 02. Juni 2013 um 17:59 Uhr Von: "Isa Ristow" <comment-reply@wordpress.com> An: rainer.f.ziegler@web.de Betreff: [New post] “Kind, werd doch einfach Bankangestellte.”

    Isabell Ristow posted: ""Kind, werd doch einfach Bankangestellte oder geh einfach zur Stadt." Das ist immer der Rat meiner Mutter, wenn es um meine berufliche Zukunft geht. Seitdem ich vor einem halben Jahr mein Animationsstudium aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste,"

    1. Hallo,

      vielen Dank für die liebe Nachricht :) Ja, man hat es wirklich nicht leicht, als Kreativer… aber hartnäckig war ich schon immer, immerhin etwas.

      Mir haben viele nette Leute einige super Tipps gegeben, das fand ich klasse und hoffe, dass ich damit etwas ergibt. Ich bin halt noch ganz am Anfang und aller Anfang ist schwer.

      Ich werde wahrscheinlich nicht noch mal mit Animation in Luxemburg anfangen, einfach weil ich nirgends was zum wohnen finde oder es nicht bezahlen kann.

      Ja, die Aufträge habe ich mehr oder weniger zufällig bekommen, durch Cons oder so. Ein T-Shirt Design, was ich hoffentlich bald posten kann. Buchgestaltung oder Einladungskarten für die Familie, so was in der Art.

      Na ja, irgendwann kommt was großes, ich habs im Gefühl. Kann allerdings noch ein paar Jahre dauern XD

      Viele liebe Grüße zurück!

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