Character Design DDR Mädchen

Character Design DDR Mädchen

Hallöchen,

ich habe noch ein paar Character Designs, die ich damals im Trickstudio Lutterbeck gemacht habe. Leider wurde mein Design nicht genommen, aber mir hat es trotzdem gut gefallen. Die Story spielte in der DDR, ich bin gespannt, wie das Character Design am Ende aussieht. :)

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“Kind, werd doch einfach Bankangestellte.”

“Kind, werd doch einfach Bankangestellte oder geh einfach zur Stadt.” Das ist immer der Rat meiner Mutter, wenn es um meine berufliche Zukunft geht.

Seitdem ich vor einem halben Jahr mein Animationsstudium aus gesundheitlichen und finanziellen Gründen abbrechen musste, sitze ich jetzt schon zu Hause rum. Am Anfang war ich noch naiv und dachte, ich bekomme vielleicht auch so einen Job oder wenigstens einen Praktikumspaltz… Doch sehr schnell merkte ich, ZONK, das wird wohl nichts.

Ich habe zwar Design studiert, aber war mir damals schon ziemlich sicher, dass ich nicht für eine Agentur geeignet bin. Bestätigt hat sich das dann auch, als ich die Stellenanzeigen für Designer durchlas…

Und was ist mit meinem Traumberuf, in einem Animationsstudio? Hm… ohne Erfahrung in Sachen Maya und selbstangefertigten Animationen wird das wohl auch nichts (das Bisschen was ich in dem Animationsstudiengang gelernt habe, reicht da noch lange nicht…). Also, werde ich jetzt wohl auch zur berüchtigten Generation Praktikum gehören. Nicht mal das. Ich habe mich zwar in einem Animationsstudio beworben, welches einen guten Ruf hat und mir auch gute Chancen eingeräumt hat, doch nach Monaten ohne Rückmeldung, hat man mir am Telefon dann mitgeteilt, dass es einfach zu viele Bewerber gebe und nur noch ein Praktikumsplatz zu vergeben sei. “Machen Sie sich keine Hoffnungen,” sagte der Mann am Ende des Gesprächs noch zu mir und das er sich mit dem entgültigen Ergebnis, in einigen Tagen bei mir meldet. Seitdem sind drei Wochen vergangen, da kann ich mir das Ergebnis für mich ja schon ausmalen… Überhaupt selbst wenn ich den Platz bekommen hätte, wäre er garantiert ohne Bezahlung. Na ja, vielleicht hätte ich einen kleinen Platz unter einer Brücke gefunden oder kosten die heutzutage auch schon Miete?

Und Arbeitsaufträge? Wie kommt man da überhaupt dran? In der Zeit in der ich jetzt zu Hause bin, kann ich die Aufträge, für die ich bezahlt wurde, an einer Hand abzählen… Wie schaffen es manche nur, von so etwas zu leben… “Respekt habe ich ja vor den Leuten,” denke mich mir da. Aber ganz im Ernst, bei wie vielen Verlagen war ich schon in meinem Leben, die mir versicherten das mein Zeichenstil nicht für die Breite Masse tauglich ist. Wie sollte es da dann bei Arbeitsaufträgen anders sein?

Nun komme ich aber zur Weisheit meiner Mutter zurück. Ich meine, vielleicht sollte ich mich wirklich nach einem anderen Job umsehen, nur was für einer? Seitdem ich mich zurückerinnern kann, wollte ich immer irgendwas mit zeichnen machen. Okay, einer Rolle in einem Film wäre ich auch nicht abgeneigt, aber wie wahrscheinlich ist das? Soll denn all die Mühe der letzten Jahre umsonst gewesen sein? Verrate ich mich nicht selbst damit? Oder alles nur falscher Stolz?

Momentan stehe ich vor einem Scheideweg und nicht zu wissen, was man in den nächsten Jahren tun wird ist sehr belastend. Aber was erzähl ich da, das geht bestimmt vielen Künstlern so. Auch das mit der Jobsuche ist bestimmt bei keinem einfach, aber wann weiß man, dass man das richtige tut. Spätestens wenn man Vormittags auf den Trash Sendungen bei RTL 2 landet oder vielleicht sogar direkt in der Sendung, weiss man, dass was falsch gelaufen ist.

Jetzt habe ich noch die Möglichkeit noch einmal Animation zu studieren, aber was ist wenn ich selbst danach keinen Job finde, überhaupt, müsste ich doch langsam auch mal anfangen in meine Rente einzubezahlen. Sonst könnte mich das schlimme Schicksal ereilen, das mir meine Tante prophezeit hat und ich könnte wohl als Rentnerin nur einmal im Jahr in Urlaub fahren und nicht wie sie jede zwei Wochen. Ganz im Ernst, ich bin ja schon froh, wenn das Geld mir dann zum Überleben reicht.

Überhaupt, wenn alles was man in der letzten Zeit getan hat, ins Nichts läuft, fragt man sich schon mal, bin ich für diesen Beruf gemacht? Vielleicht kann ich diese Frage irgendwann für mich beantworten, dass einzige was ich jetzt mit Sicherheit weiß, ist: Bankangestellte werde ich in diesem Leben nicht mehr.

Eure Isa

Hanami 2013

Hanami 2013

Tja, jetzt ist die Hanami auch schon wieder rum… So schnell geht’s. Es hat uns aber allen gut gefallen, an dieser Stelle noch mal ein riesen Dank an alle, die bei uns vorbeigekommen sind und auch was mitgenommen haben.

Von hier dann auch einen Gruß an alle netten Leute, die ich dort kennenlernen durfte! Ich hoffe wir bleiben in Kontakt und sehen uns auf der nächsten Con wieder :)

Ich kam dieses mal (eigentlich ist das immer so) nicht wirklich zum fotografieren, also hier nur ein paar Eindrücke von unserem Stand aus.

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Unser Stand, Sushi, Isa und Yamatoking . Wir hatten gar nicht gewusst, dass wir sogar eine Wand bekommen würden, deshalb sieht es hinten etwas luftig aus. Und ich bin wie immer, sehr aktiv fuchtelnd meinem Standpunkt am klar machen.

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Diane “Yamatoking” Ernzen, wie immer hart arbeitend, an unserem Stand. Sie verkaufte die ersten Kapitel ihres Comics “Gostdemonster”.

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Unsere Lieblingscosplayer. Ja, ja, es geht halt nichts über Steampunk :)

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Lydia “Sushi” Heymach vertieft in die Arbeit. Sie bekam die meisten Con-Hon Aufträge von unserem Team, da blieb keine Zeit zum Luft holen.

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Sherlock Holmes und Gandalf waren als Verstärkung auch dabei.

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Sushi hatte auch viele schöne Stücke von KaBOOM zu verkaufen.

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Und ich, beim verkaufen von “Wilken’s Rose“. Mit meinem tollen Kindermalblock XD

Also, es war wirklich lustig, ich freue mich schon auf die nächste Con. Aber hoffentlich, mit besserer japanischer Küche, viel zu viel Salz …

Ilja und Rudi

Ich hätte ja nie gedacht, dass ich jemals Rudi Carrell zeichnen würde, so kanns gehen. Eigentlich ist es nur eine kurzfristig entstandene, schnell gezeichnete “Charakterstudie”, weil ich einfach Lust dazu hatte. Nachdem ich mich seit ein paar Wochen durch einige deutsche Schlagerfilme der 1970er Jahre gewühlt habe und ach, irgendwie haben sie ja Charm, musst es einfach sein.

Zu sehen sind Rudi Carrell (links) und Ilja Richter (rechts) und ich hoffe, ich habe sie getroffen.

Die Zeichnung ist übrigens entstanden nachdem ich “Tante Trude aus Buxtehude” geschaut habe, deshalb sind auch die Klamotten daran angelegt. Der Film war leider mittlerer Durchschnitt, obwohl er gute Ansätze hatte, weshalb ich es schade fand, das die Handlung nicht konsequent durgehalten wurde. Anfangs dachte ich noch, es sei eine deutsche Schlagerversion von Billy Wilders “Manche mögen’s heiß“, was bestimmt ganz interessant gewesen wäre, aber nicht der Fall war.

Ich fand eigentlich viele Charaktere sehr sympathisch, manche allerdings auch total überflüssig. Aus Gunther Philipps Rolle als verrückter Arzt, konnte ich mir keinen Reim machen. Mascha Gonska daneben glänzte durch einen lebhaften Charakter. Theo Lingen und Hans Terofal sehe ich immer gerne, egal in welchen Rollen sie auftreten, es ist immer ein Highlight.

Rudi Carrell kannte ich zuvor nur als Moderator, zumindest soweit ich mich erinnern kann… Nun ja, der Mann ist einfach symphatisch, er spielt zwar nicht wirklich viel, aber irgendwie passts trotzdem. Was vielleicht auf daran liegt, dass sich Carrell und Richter gut ergänzen, da beide zwei sehr unterschiedliche Charaktere sind. Was ich nicht so ganz verstehe ist allerdings, der enorme Altersunterschied der beiden Schauspieler, die im Film als Team auftreten. Ilja Richter war gerade mal 19 Jahre als der Film gedreht wurde, während Carrell schon in seinen späten 30ern war.

Den Film habe ich eigentlich wegen Ilja Richter gekauft, also könnt ihr euch ja denken, dass ich ihn klasse finde. Selbst wenn er nicht gut spielen würde, was er ja eh tut, würde ich den größten Respekt haben, bei allem, was er in diesem Film durchmachen muss XD Ernsthaft! Für eine angehende Charakter Designerin und Animatorin, ist der Mann einfach eine Inspiration.

Die Handlung:

Gerda erfährt mit ihrer Freundin Karin, dass Tante Trude aus Buxtehude ihr ein Vermögen von einer Million Mark in einem Schließfach einer Bank in Salzburg hinterlegt hat, das sie an ihrem 21. Geburtstag ausgehändigt bekommen soll. Doch an ihrem Festtag erhält sie nichts als einen riesigen Koffer mit zehn Kleidern. Erst als die enttäuschte Gerda schon einen Teil der Kleider verkauft hat, erfährt sie, dass in einem der Kleider der Schlüssel zu dem Schließfach sein muss.

Gerda, Karin und ihre Freunde, die einfältigen Detektive Rudi und Moritz machen sich eilends auf die Suche nach den verkauften Kleidern, ohne zu ahnen, dass Moritz den richtigen Schlüssel schon gefunden und gedankenlos eingesteckt hat. Die Spur führt nach Kitzbühel, wo der Boutiquebesitzer Toni einen Teil der Kleider bereits verkauft hat. Also müssen die Käuferinnen durchsucht werden, was zu erheblichen Schwierigkeiten führt. Schließlich bekommt ein Ganove von der Sache Wind und erbeutet den Schlüssel.

In der Bank erscheinen kurz hintereinander zuerst der Ganove mit dem Schlüssel, dann gleich dreifach eine falsche Tante Trude und schließlich die echte Erbin Gerda, die alles beweisen kann und mit Toni ein Paar wird.

“Der Junge mit dem blauen Schal” beim MyComics Wettbewerb

früher sketch von Judah

Ich freu mich wirklich, dass mein Comic ausgewählt wurde. Vielen Dank dafür :)

Ich möchte nur noch mal alle, denen “der Junge mit dem blauen Schal” gefällt, sagen, dass ihr auf MyComics alle 24 Stunden dafür wählen könnt. Ich übertreibe bestimmt etwas mit dem Werbung schieben, aber das ist mein erster Wettbewerb und ich möchte diesen auch nutzen, um auf mein Comic aufmerksam zu machen.

Es sind wirklich sehr gute Arbeiten dabei und somit auch sehr starke Gegner, um so mehr würde ich mich freuen, wenn ich einen oberen Platz belegen würde :)

Ach ja, ihr könnt übrigens den Comic auf MyComics auch ganz lesen! Ich werde ihn hier, aber auch noch nach und nach hochladen.

Vielen lieben Dank schon mal an alle VoterInnen :)

Aber ist es denn auch jemandem, der keine jüdischen Wurzeln hat, der der zweiten oder sogar dritten Generation nach dem Ende des Nationalsozialismus angehört, möglich, eine Geschichte über Judenverfolgung zu erzählen?

Die 7 wichtigsten Charaktere von links nach rechts: Vater Bernstein, Mame Bernstein, Julia Hofmann, Amber Bernstein, Judah Bernstein, Emmet Bernstein, Joachim Hofmann

Jüdisch sein“ ist in den Medien allgegenwärtig, sei es im Roman („Alles ist erleuchtet“ von Jonathan Safran Foer oder „Jakob der Lügner“ von Jurek Becker), im Kino („Annie Hall“, „Schindlers Liste“ als Beispiel), ja auch der jüdische Witz ist allgegenwärtig, man denke nur an Woody Allen, Mel Brooks oder Jerry Lewis, um nur ein paar zu nennen. Die Liste ist endlos, jüdische Lebensweise ist aus der Kunst und Kultur nicht wegzudenken, kein Wunder, dass sich das auch in gezeichneter Form niederschlägt. Fast immer wird aber auch heutzutage noch in einem Atemzug mit dem Judentum, der Holocaust genannt. Der Jahrhunderte lange Antisemitismus, der im Genozid der 1940er Jahre seinen Höhepunkt fand, bleibt einem immer im Hinterkopf. Denkt man an Comics, die dieses Thema aufgreifen, kommt man sofort zu Art Spiegelmans Meisterwerk „Maus“, welches beides, Judentum und Holocaust, eindringlich darstellt. Für ihn ist ganz klar: „In jedem Rassismus mit seiner krassen Entgegensetzung von Gut und Böse steckt ein Comicstrip“ (Spiegelman, Maus 2, Klappentext).

Aber ist es denn auch jemandem, der keine jüdischen Wurzeln hat, der der zweiten oder sogar dritten Generation nach dem Ende des Nationalsozialismus angehört, möglich, eine Geschichte über Judenverfolgung zu erzählen? Diese Frage stellt sich natürlich. Und wenn man sich an das Thema traut, wie geht man es am besten an, denn nach wie vor ist es ein sehr empfindliches Thema.

Es gibt einige Comics, sei es von Autoren jüdischer oder nichtjüdischer Abstammung, die sich mit der Shoah beschäftigen. Da ich mich in der Form für ein „Graphic Novel“ entschieden habe, möchte ich noch einmal kurz auf Will Eisner, der diesen Begriff geprägt hat (vgl. Platthaus, Seite 3), eingehen.

Eisner, der als Sohn jüdischer Eltern 1917 in New York geboren wurde, hat wie wohl kaum ein anderer das Genre Comic beeinflusst (vgl. Platthaus, Seite 3). Auch für ihn ging es dabei um „die Selbstverständigung über die eigene jüdische Identität und den Kampf gegen den Rassenwahn“ (Platthaus, Seite 3). In diesem Zusammenhang sind zwei seiner Werke besonders hervorzuheben: sein Sachcomic „Das Komplott“, in dem er sich mit den „Protokollen der Weisen von Zion“, einer uralten Hetzschrift gegen die Juden beschäftigt, und sein autobiografisches Werk „Zum Herzen des Sturms“, in dem es um seine Kindheit und um die Vergangenheit seiner Eltern geht. Es ist eine große Leistung, dass dieses Werk allein von Alltagsgeschehnissen lebt und so beweist, dass es keiner „theatralischen“ Szenen bedarf um mitzureißen.

Ich habe mit 15 oder 16 Jahren angefangen, mich für das Thema Judentum und Holocaust zu interessieren; damals nahmen wir im Geschichtsunterricht gerade die Geschwister Scholl und die „Weiße Rose“ durch. Mein erster Film, den ich zu diesem Thema gesehen habe, war die doch recht mittelmäßige Hollywood-Version von Jurek Beckers „Jakob der Lügner“. Damals war mir die Thematik fremd und ich war sehr geschockt, dass jemand zum Tode verurteilt wird, nur weil er ein Radio besitzt. Mit 18 Jahren hatte ich wohl jede Dokumentation gesehen, die es zum Thema Holocaust und Nationalsozialismus zu dieser Zeit gab; ich wollte damals noch eine lange Geschichte über eine jüdische Familie zeichnen. Sozusagen von den frühen 1930er Jahren bis zum Ende des Krieges 1945, doch ist mir mit der Zeit klar geworden, dass ich wohl nicht die psychische Verfassung besitze, um das „Überleben“ in einem Todeslager zu schildern, ich hätte die Sorge gehabt die Situation nicht angemessen darzustellen. Damals zeichnete ich eine Kurzgeschichte von drei Seiten über die Pogromnacht 1938, auf die Wormser Synagoge bezogen, da ich aus Worms komme. Es wird zwar nicht in meiner Geschichte erwähnt, aber sie spielt in Rheinhessen, weil ich einfach viel Literatur aus dieser Region besitze.

Nachdem ich beschlossen hatte meine Bachelor-Arbeit diesem Thema zu widmen und ein Comic beziehungsweise Graphic Novel über eine jüdische Familie zu zeichnen, wusste ich schnell, dass ich es mehr auf deren Alltagsleben beschränken würde. Auf Grund der doch relativ kurzen Zeit habe ich die Seitenzahl auf 20 Seiten reduzieren müssen, was nicht gerade viel ist, trotzdem wollte ich die Entwicklung und die immer schwierigeren Lebensumstände der Juden in dieser Zeit zeigen. Ich habe mich deshalb für eine periodische Erzählform entschieden, um den Zeitraum von 1934 bis 1938 abdecken zu können.

Nachdem mir der Zeitraum klar war, machte ich mich an die Umsetzung der Charaktere. Ich wusste bereits, dass es um eine ganze Familie ging. Erst einmal musste ich den Hauptcharakter, also die Bezugsperson finden. Ich habe mich dann für einen Jungen entschieden, der in der Geschichte 14 bis 17 Jahre alt sein sollte. Dann spielte zur gleichen Zeit auch das Alter der Zielgruppe eine Rolle, die im Normalfall etwas jünger ist als die Bezugsperson in der Geschichte. Meine Zielgruppe wäre somit zwischen 12 und 15 Jahren, was mir auch sehr wichtig war, denn erstens war das ungefähr mein Alter, als ich mit dem Thema in Berührung kam, zweitens ist es gut früh etwas von diesem Thema zu erfahren, da es bis heute noch sehr aktuell ist.

Ich hatte also das Alter und Geschlecht meines Hauptcharakters, nun musste ich seinen Charakter definieren. Ich beschloss, das Thema Ausgrenzung und Einzelgänger stark in den Vordergrund zu nehmen, da das etwas ist, worunter heute noch viele Kinder und Jugendliche leiden, weshalb es auch für viele gut nachvollziehbar ist.

Ich habe mich für den Namen Judah entschieden, ein hebräischer Name und vielleicht etwas zu traditionell, doch ich finde, dass es zu ihm passt. Ich hatte den Namen damals in Woody Allens „Verbrechen und andere Kleinigkeiten“ von 1989 aufgeschnappt, der Hauptcharakter heißt dort auch Judah und ich bin ihn nicht mehr losgeworden.

Judahs Kernbedürfnis ist, dass er versucht als Jude das Gymnasium zu schaffen und das Abitur zu bestehen, das ist sozusagen sein persönliches Aufbäumen gegen die Unterdrückung des Nationalsozialismus. Dadurch hat er immer einen sehr starken Druck auf sich lasten, denn er muss immer der Beste sein, um nicht der Schule verwiesen zu werden. Allerdings musst er am 15.11.1938 schließlich das Gymnasium verlassen, da ein Gesetz verabschiedet wurde, das jüdischen Schülern verbot öffentliche Schulen zu besuchen (Griesshaber, ohne Seite). Judah ist sehr belesen, er hat oft ein Buch in der Hand, doch liest er nicht nur zum Zwecke des Lernens sondern auch aus Spaß. Sein Lieblingsbuch ist ein Kinderbuch und zwar „Dr. Dolittle und seine Tiere“ von Hugh Lofting aus dem Jahre 1920. Er versucht immer sehr erwachsen zu wirken und das gibt ihm eine kindliche, verspielte Seite, die man bei ihm vielleicht nicht erwartet. Es ist aber auch ein Klischee, dass Juden oft „intellektuell“ erscheinen, was damals sogar in Bezug auf Juden eine negative Konnotation hatte (vgl. Schoeps, Seite 16), doch für Judah ist es der Weg zu seinem Ziel.

Judah trägt das ganze Comic hindurch immer einen Schal, das ist für ihn wie ein Schutz vor der feindlichen Umwelt, sozusagen ein Schutzschild. Ich habe die Farbe Zyan gewählt, es sollte als Signalfarbe dienen, da das Comic in Brauntönen gehalten ist und so Judahs Schal immer heraussticht. So kam ich dann auch auf den Titel „der Junge mit dem blauen Schal“, womit natürlich Judah gemeint ist. Sehr weit hergeholt, könnte man die Farbe Zyan schon als böse Vorahnung sehen, denn schließlich wurden die Juden in den Todeslagern mit Zyklon B vergast, dessen Wirkstoff Blausäure ist. Dies soll aber nicht bedeuten, dass Judah in der Gaskammer stirbt, es ist mehr eine allgemeine Vorwarnung.

Judah hat noch zwei jüngere Brüder, die sich beide sehr von ihm unterscheiden. Da wäre zum einen Emmet, der zwei Jahre jünger ist als Judah. Er hat viel Temperament und scheut keine Auseinandersetzung, was ihm auch oft Schrammen und Streit mit seiner Mutter einbringt. Er steht im Schatten seines großen, „perfekten“ Bruders und ist das Sorgenkind der Familie. So weissagt Mame (die Mutter) auch, dass es einmal böse mit ihm enden wird. Sein Dickkopf ist seine Art mit der schweren Zeit umzugehen und zu zeigen, dass er, obwohl er jüdisch ist, sich nicht unterdrücken lässt.

Amber ist der jüngste Bruder, er ist neun Jahre jünger als Judah, also fünf Jahre, wenn die Geschichte beginnt. Sein Name bedeutet Bernstein auf Deutsch, was auch zugleich der Nachname der Familie ist. Er ist das Nesthäkchen und der kleine Träumer. Man könnte schon fast sagen, er ist Mames Liebling, da sie sich besonders um ihn kümmert und ihn immer im Auge hat. Amber ist etwas geistesabwesend und so läuft er meist ohne Schuhe in der Gegend herum, was man ihm nachsieht, denn er ist ja noch ein Kind. Er ist naiv, aber ihm ist bewusst, dass seine Umwelt gefährlich sein kann. So erkennt er auf Seite 11, dass „Kein Zutritt für Juden“-Schild und weiß was das bedeutet, obwohl er noch nicht lesen kann. Im Verlauf der Geschichte wird jedoch klar, dass Amber nie den Mut verliert und immer gut gelaunt und positiv ist, worin er sich von seinen zwei älteren Brüdern unterscheidet.

Der Vater der Jungen ist Allgemeinmediziner und hat seine Praxis bei der Familie im Erdgeschoss. Er ist wie sein jüngster Spross ein Optimist und versucht immer Mut zu machen, wo es geht. Er ist ein sehr gemütlicher Mensch und hat eigentlich immer etwas Süßes in seinen Taschen.

Judahs Mutter, die von allen Mame genannt wird, ist die Herrin und Diva des Hauses, sie hat über alles und jeden ein wachendes Auge. Sie ist sehr besorgt um ihre drei Jungs und scheut nicht davor zurück, sie bei jeder Gelegenheit daran zu erinnern oder Vorwürfe zu äußern. Vor allem als Judah seine Freundin Julia mit nach Hause bringt, ist ihr das gar nicht recht. Allerdings ist sie sehr überfordert von der derzeitigen Situation und versucht ihr Jungen zu beschützen, sie ist eine wahre Glucke in dieser Beziehung. Ich möchte noch kurz auf ihre Nase beziehungsweise auch Judahs Nase zu sprechen kommen, da mich schon öfter Leute darauf angesprochen haben. Man kennt die propagandistische Darstellung von Juden im Dritten Reich, vor allem fallen ihre stark betonten Nasen, die sogenannten Hakennasen auf. Ich zeichne gerne markante Nasen bei meinen Charakteren und dass ich hier eine Anwandlung einer Hakennase benutzt habe, hat nichts mit rassistischen Gründen zu tun. Vielmehr steht eine solche Nase für mich auch für Intelligenz und Ernsthaftigkeit oder Strenge, man denke hier nur an Sherlock Holmes oder auch Severus Snape aus J. K. Rowlings „Harry Potter“.

Die Bezeichnung „Mame“ kommt natürlich aus dem Jüdischen oder Jiddischen, so gibt es auch den bekannten Klezmer mit dem Titel „My jiddische Mame“ oder auch viele, viele jüdische Witze zu dem Thema. So schreibt ein User von Zeit Online sehr passend: „Mutter ist nämlich bei Weitem nicht gleich Mutter! Eine jüdische Mame ist etwa wie eine italienische Mama in dritter Potenz und das will doch wirklich was heißen….“ (Zeit Online)

Obwohl Judah ein Außenseiter ist, hat er einen guten Freund in Joachim Hofmann, dem er Nachhilfe in Mathematik gibt. Joachims Familie ist nicht antisemitisch und so kann sich Judah auf ihn verlassen. Er lädt ihn sogar zu seinem und dem Geburtstag seiner Zwillingsschwester Julia ein, dort treffen sich auch Judah und Julia zum ersten Mal. Nachdem die Zeiten aber schlimmer werden, muss Judah den Kontakt zu Joachim abbrechen und dieser muss den jüdischen Freund ignorieren.

Julia Hofmann, Joachims Zwillingsschwester, wird in den 1935er bis 1938er Jahren Judahs feste Freundin. Sie stört sich nicht daran, dass er Jude ist und nimmt das Ganze gelassen und sieht bis zum Schluss nicht die gefährliche Situation. Durch ihre Fröhlichkeit und Unbesonnenheit ist sie das genaue Gegenteil zum ernsten Judah, wird aber gerade deshalb eine Stütze für ihn.

Obengenannte Personen sind die wichtigsten sieben Charaktere der Geschichte.

Die Frage, ob es jemandem, der keine jüdischen Wurzeln hat und schon Jahrzehnte nach dem Nationalsozialismus geboren wurde möglich ist, ein Comic über Judentum und Holocaust zu zeichnen, würde ich für mich mit ja beantworten. Natürlich wird man als Nichtjude bei diesem Thema misstrauisch beäugt, aber wenn man sich für ein solches Thema entscheidet, muss man dem standhalten. Es ist auf jeden Fall ein sehr schweres Thema, denn es braucht sehr viele Nachforschungen, die auch unter die Haut gehen können. Ich denke es hilft, sehr sensibel an die Sache heranzugehen und sich immer in seinen Hauptcharakter hineinversetzen zu können. Das bringt einem dann unter anderem auch einmal ein paar Albträume ein.

Auf jeden Fall sollte man sich mit der Thematik auskennen und viel darüber lesen und/oder schauen. Für mich war es auch sehr hilfreich, dass ich die Konzentrationslager Sachsenhausen und Buchenwald besucht habe, auch wenn diese nicht in meiner Geschichte vorkommen. Doch bekommt man dort einen Einblick von der Situation der Gefangenen und der Atmosphäre, die in dieser Zeit geherrscht hat.

Man sollte auch etwas über jüdisches Leben und deren Riten wissen, vielleicht auch etwas über deren historische Wurzeln und Geschichte. Denn selbst wenn es nicht in der Geschichte erwähnt wird, schwingt das Wissen im Hintergrund mit.

Auch gibt es so viele Klischees, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden sind, die man kennen sollte, falls man sie benutzt, wie zum Beispiel die oben erwähnte „Hakennase“, die sehr gerne im Nationalsozialismus gebraucht wurde.

Schlussendlich bin ich stolz, dass ich mich dieser Geschichte gewidmet habe und es geschafft habe sie zu zeichnen. Natürlich gibt es noch ein paar Dinge, die man verbessern könnte, doch nach so einer relativ kurzen Bearbeitungszeit bin ich doch froh und zufrieden mit dem, was dabei heraus gekommen ist.

Ich denke auch, dass das Thema heute noch Relevanz hat und man es besonders der jüngeren Generation ans Herz legen sollte.

Auch war es mir wichtig, einmal die frühen 30er Jahre anzusprechen, da viele Medien diese Zeit als nicht besonders erwähnenswert erachten, doch gerade dieser Zeitraum zeigt, wie sich der Antisemitismus über die Jahre steigerte und dann letztendlich im Holocaust endete.

Für mich ist der Holocaust bis heute unglaublich und je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto seltsamer und paradoxer kommt mir dieser Teil der Geschichte vor. Ich denke, so geht es vielen Menschen, vor allem den Juden selbst.

Zuletzt möchte ich noch anmerken, dass mein Comic daran wohl nichts ändern wird, aber es doch wünschenswert wäre, wenn so etwas nicht noch einmal passieren würde.

“Der Junge mit dem blauen Schal” erste Seiten

“Der Junge mit dem blauen Schal” erste Seiten

I’m sorry, the story is only in German at the moment!

Hallo!

Ich werde hier erst mal eine paar Preview Seiten hochladen. Eigentlich habe ich auch vor die Story als Band drucken zulassen, ich muss dazu erwähnen, dass ich alles selbst finanziere und demnächst auch der Druck von “Wilken’s Rose” ansteht.
Ich würde mich freuen, wenn ihr es mir mitteilen würdet, falls hier Interesse an einem gedruckten Band besteht. Das Comic wäre komplett in Farbe. :)

Synopsis:
Judah und seine zwei Brüder leben im Deutschland der 1930er Jahre. Ihr Alltag ist von Ausgrenzung und Diskriminierung geprägt, denn ihre Familie ist jüdisch.
Judah lebt mit dem Druck immer der Beste sein zu müssen, um nicht von der Schule zu fliegen, sein jüngerer Bruder Emmet hat ein ungezügeltes Temperament und bringt sich oft in Schwierigkeiten und der Jüngste, Amber, lebt in seiner eigenen Welt.
Als Judah sich in Julia verliebt, die eine Nichtjüdin ist, verkompliziert sich seine Lage.

Hier sind erst ein mal ein paar Seiten.

Ich würde mich sehr über Kommentare und Feedback freuen, da diese Comic mir viel bedeutet und ich gerne wissen möchte, was ihr davon haltet.